Das Phantom der Oper

Von Joel Schumacher (2004)
Mit Gerard Butler, Emmy Rossum, Patrick Wilson, Miranda Richardson, Minnie Driver, Claran Hinds, Simon Callow, Victor McGuire, Jennifer Ellison, Murray Melvin, Kevin McNally, James Fleet

Gaston Leroux’ Roman „Le Fantôme de L’Opéra“ wurde seit der Stummfilm-Ära unzählige Male verfilmt und hat dabei von Horror, über Liebesfilm bis hin zum Musical viele Genres gestreift. Andrew Lloyds Webbers Muscial-Adaption, die seit seiner Uraufführung anhaltende Erfolge feiert und in viele Sprachen übersetzt wurde, diente als Vorlage für diese Verfilmung. Die Zeit der großen Muscialfilme scheint schon seit einigen Dekaden vorbei zu sein und die wenigen aktuelleren erfolgreichen Ausflüge in den Musikfilm wie „Evita“ oder „Chicago“ profitierten sicher auch von deren Musicalvorlagen, die als erfolgsversprechendes Zugpferd dienten. Da kann man bei Werken von Andrew Lloyd Webber im Allgemeinen nichts falsch machen.

Respekt verdient bei Joel Schumachers Film der Versuch dieses Musikmärchen sehr konventionell und mit im wahrsten Sinne des Wortes magischen Bildern einzufangen und der Umstand, dass die Darsteller ihre Gesangsparts (mit Ausnahme von Minnie „Carlotta“ Driver) auch noch selbst singen, ein Vorzug der Musicalfilmen aus früherer Zeit nicht immer beschieden war. Dass das Ergebnis zuweilen recht kitschig ausgefallen ist liegt, liegt in der Natur der Vorlage und des Musicalfilms an sich und vielleicht auch an den unvermeidlichen deutschen Texten, mit denen uns der Verleih beglückt. Für Leute denen das gut gefällt, werden sich musikalisch und visuell bestens unterhalten.

Vielen Dank an Stefan Meyer von FilmClue.de für seine freundliche Unterstützung.

     

Les Misérables

Von Tom Hooper (2012)
Mit Hugh Jackman, Russell Crowe, Anne Hathaway, Amanda Seyfried, Sacha Baron Cohen, Helena Bonham Carter, Eddie Redmayne, Aaron Tveit, Samantha Barks, Daniel Huttlestone

1815, Toulon: Nach 19 Jahren wird Jean Valjean, der wegen Mundraub und Fluchtversuchen lange einsaß, auf Bewährung entlassen. Polizeiinspektor Javert händigt ihm seine Bewährungsunterlagen aus und prophezeit ihm seine baldige Rückkehr. Vergeblich versucht Valjean ein ehrliches Leben zu beginnen, doch seine Herkunft treibt ihn erneut zum Diebstahl. Er beginnt ein Leben unter falschem Namen und ständig auf der Flucht vor Javert, der ihm zu seinen persönlichen Feind erklärt hat. Acht Jahre später in Montreuil hat sich Valjean als Bürgermeister und Fabrikherr hochgearbeitet. Er nimmt sich der kleinen verwaisten Tochter einer Fabrikarbeiterin an, die durch sein Mitverschulden in die Prostitution geraten war. Wieder von Javert entlarvt, muss er erneut mit seiner Pflegetochter Cosette fliehen. Fast weitere zehn Jahre vergehen, bis sich Valjean und Javert wieder gegenüberstehen, inmitten der Pariser Barrikadenkämpfe des Juniaufstands von 1832. Inzwischen ist Cosette erwachsen und verliebt sich in Marius, der mit seinen Kommilitonen einen Aufstand plant…

Nach den Mamut-Verfilmungen Evita (1996) von Alan Parker und Das Phantom der Oper (2004) von Joel Schumacher folgt jetzt mit Tom Hoopers Version von Les Misérables eine Musicalverfilmung, die alle bisherigen Grenzen des Genres sprengt. Der Film bietet jeden erdenklichen Aufwand eines monumentalen Kostümfilms mit Massenszenen und gigantischer Ausstattung. Die weltbekannte Musik wird getragen von einem Ensemble von singbegabten Schauspielern, die mit ihren „dramatisierten“ Gesangsdarbietungen den richtigen Weg einschlagen zwischen Musikalität und Filmrealismus.

Der vergleichsweise junge Hugh Jackman überzeugt als Valjean, als ein durch eine langjährige Haftstrafe gezeichneten Mannes, der sich durch verschiedene Phasen seines Lebens kämpft und schließlich an seiner Vergangenheit zerbricht. Sein Gegenspieler ist Inspektor Javert, ein stimmlich ebenfalls sehr präsenter Russell Crowe, dessen Hang zur Pflichterfüllung zu einer persönlichen Feindschaft ausartet und Valjean zu einem Symbol seines eigenen Scheiterns werden lässt. Doch es ist vor allem Anne Hathaways eindringlicher, viel zu kurzer Auftritt, der im Gedächtnis bleibt. Sie spielt Fantine, eine Fabrikarbeiterin, die durch Missgunst ihrer Kolleginnen und des Vorarbeiters und durch Valjeans Ignoranz in seiner Funktion als Fabrikbesitzer in die Prostitution getrieben und vom Milieu förmlich ausgeschlachtet wird.

Komiker Sacha Baron Cohen brilliert als schlitzohriger Dauerschurke Thénardier. An seiner Seite zeigt Helena Bonham Carter als Madame Thénardier erneut Mut zur äußerlichen und inneren Hässlichkeit. Nach ihrer Darstellung als Horrorwirtin in Sweeney Todd – Der teuflische Barbier (2007) ist sie die Idealbesetzung für diese Rolle.

Mit der illustren Hollywood-Besetzung folgt der Film der Tradition des Musicalfilms, die Hauptrollen mit Filmstars und nicht mit Sängern zu besetzen. Was Letzteres betrifft, können die Stars im Rahmen einer von visuellem Pomp getragenen Verfilmung durchaus überzeugen und auf Gesangsdouble wurde wohlweislich verzichtet. Für Fans des Bühnenmusicals gibt es immerhin bekannte Gesichter zu sehen. Bischof von Digne wird von Les Misérables-Urgestein Colm Wilkinson gespielt, dem mehrfachen Valjean Darsteller seit der englischen Uraufführung. Als Éponine, die unglücklich verliebte Tochter der Thénardiers, ist Samantha Barks zu sehen, die in der Rolle von 2010 bis 2011 in London zu sehen war.

Victor Hugos Roman Die Elenden von 1862 gehört neben Der Glöckner von Notre-Dame zu seinen bekanntesten Werken. Neben zahlreichen Verfilmungen (die erste entstand bereits um 1907) ist dies vor allem der Musical-Version von Claude-Michel Schönberg (Musik) und dem Alain Boublil (Texte) zu verdanken. Sie erlebte ihre französische Premiere 1980 in Paris und wurde 1985 um einige erklärende Szenen erweitert in der heute bekannten englischen Version in London uraufgeführt. Von 1987 bis 2003 zierte das bekannte Plakat mit dem armen Mädchen die Fassade des Imperial Theaters am Broadway in New York. Das weltbekannte Motiv zeigt die junge Cosette und ist ein Ausschnitt der Buchillustration des Künstlers Émile Bayard aus der Originalausgabe von 1862.

Fazit:
Tom Hoopers Verfilmung des weltweiten Musicalerfolges ist eine verschwenderisch ausgestattete und glänzend gespielte und musikalisch beachtliche Oper auf höchstem filmischen Niveau.

Vielen Dank an Stefan Meyer von FilmClue.de für seine freundliche Unterstützung.